Was ist der BSB5 ?
Der BSB5 gibt an, wieviel
Sauerstoff in 5 Tagen in 1 Liter einer, mit geeigneten Bakterien
angeimpften,wäßrigen Probe von diesen Bakterien veratmet
wurden. Dies geschieht bei einer konstanten Temperatur von 20 °C
. Der Grund für den Sauerstoffverbrauch der Bakterien liegt in
dem Abbau der in der Probe gelöst vorliegenden, abbaufähigen
Inhaltsstoffe. Da in Abwasser die Konzentration der Inhaltsstoffe
meist hoch ist, werden diese Proben für die Bestimmung
verdünnt. Diese Art des BSB heißt daher Verdünnungs - BSB .
Wozu dient der BSB5 ?
Dieser Wert ist ein wichtiger
Parameter zur Beurteilung des Grades der Belastung, den ein
Abwasser für die Umwelt ( Vorfluter ) darstellt . Dadurch das
die Abwasserinhalt- stoffe im Vorfluter von den dortigen
Bakterien abgebaut werden, wird dem Gewässer, der im Wasser
gelöste Sauerstoff ganz oder teilweise entzogen. Dadurch kann es
zum Absterben O2-atmender Lebewesen ( Krebse,Fische etc. ) durch
Sauerstoffmangel kommen. Daher gibt es einen Grenzwert für
diesen Parameter der von jedem eingehalten werden muß, der
Abwasser in einen Vorfluter einleitet ( Klärwerke, Industrie )!
Über die Einhaltung dieser Grenzwerte wachen die zuständigen
Wasserbehörden.
Die praktische Bestimmung des BSB5
Dafür sind einige
Gerätschaften notwendig, so daß solche Untersuchungen in der
Regel nur von bestimmten Labors vorgenommen werden können.
Es gibt mehrere Möglichkeiten der BSB5-Bestimmung. Dazu zählen
die
1. amperometrische Bestimmung
2. respirometrische ( manometrische) Bestimmung
3. Bestimmung mittels Sauerstoffgeneratoren
In der Praxis hat sich die
amperometrische Bestimmung durchgesetzt, weil diese gegenüber
den anderen Methoden in Einfachheit und Reproduzierbarkeit
überlegen ist.
Für die amperometrische BSB5-Bestimmung benötige Teile sind im
einzelnen :
![]() |
Ansatzflaschen
für die Probenwässer , 250 ml Vorratsbehälter für das
Verdünnungswasser (20-80 l , je nach Bedarf ) |
|
verschiedene Chemikalien :
| Glucose |
| Glutaminsäure |
| Allylthioharnstoff (ATH) |
| Calciumchlorid |
| Harnstoff |
| Pentanatriumphospat |
Ich zeige nun schrittweise die Verwirklichung der BSB5-Bestimmung nach der Verdünnungsmethode:
1. Schritt :
Herstellung eines geeigneten Verdünnungswassers
Je nach Bedarf wird
Leitungswasser in größere Plastikbehälter ( ca. 20-80 l )
gefüllt. In diesem Wasser werden werden Nährstoffe in folgender
Art und Menge dosiert:
- Harnstoff 4
mg/l
- Pentanatriumphosphat 1.6 mg/l
- Calciumchlorid. Es muß ein Calciumgehalt von minimal 2mmol/l
eingehalten werden.
Wichtigster Punkt ist die Zugabe von Impfwasser. Die DIN
38409-H51 empfiehlt eine Animpfung entweder mit Vorklärwasser
einer kommunalen Kläranlage oder statt Leitungswasser
Vorfluterwasser ohne spezielle Animpfung. Durch einige praktische
Versuche konnte ich feststellen, daß der Ablauf einer kommunalen
Kläranlage am besten geeignet ist. Es werden die gleichen
Ergebnisse wie bei einer Animpfung mit Vorklärwasser erhalten,
allerdings ist vom hygienischen her dem Ablauf einer Kläranlage
klar der Vorzug zu geben ! Vor der Zugabe des Impfwasseres wird
dieses filtriert. Die Zugabemenge beträgt 3-5% des
Gesamtvolumens. Nun muß das Verdünnungswasser 3 Tage unter
ständiger, leichter Belüftung reifen.
2. Schritt :
benötigte Tagesmenge des Verdünnungswassers bereitstellen
Dazu wird die benötigte
Wassermenge in einen zweiten kleineren Behälter abgefüllt.
Nun wird noch ein sogenannter Nitrifikationshemmer zugesetzt.
Diese Substanz hat die Aufgabe die unerwünschte biochem.
Oxidation von anorg. Ammonium-Stickstoff zu verhindern. Zu diesem
Zweck werden 5 mg Allylthioharnstoff (ATH) pro Liter
Verdünnugswasser gelöst. Anschließend wird der
Sauerstoffgehalt des Verdünnugswassers auf etwa 15-17 mg O2/l
(Achtung Meßbereich!!) durch Einleiten von reinem,gasförmigen
Sauerstoff erhöht. Dadurch erhöht sich die Sicherheit der
Bestimmung, da der Sauer- stoffverbrauch der Probe ja noch nicht
bekannt ist und es darf ein O2-Gehalt von 1-1.5 mg O2/l nach
Ablauf der 5 Tage nicht unterschritten werden. Andernfalls
können schädliche Bakterien in der Probe die Oberhand gewinnen
und das Ergebnis verfälschen. Diese Prozedur hat auf den
eigentlichen Mechanismus des Abbaus von Inhaltsstoffen keinen
Einfluß.
3. Schritt :
Verdünnung der Proben
Nun werden die Wasserproben nach
einen bestimmten Schema verdünnnt. Nach der Norm sind mindestens
3 einer arithmetischen Reihe ( z.B. 50, 100, 200 ml / l )
entsprechende Verdünnungsstufen anzusetzen. Günstig ist es,
wenn man den zu erwartenden BSB5 abschätzen kann ( etwa durch
CSB,TOC oder KMNO4-Verbrauch ). Bei völliger Unkenntniss des zu
erwartenden BSB werden Verdünnungen über einen möglichst
weiten Bereich angesetzt ( z.B. 12.5,25,50,100,200 ml/l ).
Die Probe wird dazu in einen Standzylinder (0.5 oder 1l)
gefüllt, mit Verdünnungswasser bis zur entspr. Marke
aufgefüllt. Nach dem Umschütteln wird die verd. Wasserprobe in
eine "Karlsruher Flasche " gegeben. Neben den
Probenverdünnungen wird noch ein Blindwert nur mit
Verdünnungswasser angesetzt. Damit wird der Eigenverbrauch des
Verdünnungswassers erfasst (= Blindwert). Dieser Eigenverbrauch
sollte zwischen 0.3 und 1.5 mg O2/l liegen.
Zur Kontrolle des Verfahrens setzt man außerdem eine
Verdünnungsreihe mit einem Standard an. Dazu werden jeweils 150
mg Glucose und 150 mg Glutaminsäure in 1 l dest. Wasser gelöst
und 3 Verdünnungen mit jeweils 20,30 u. 40 ml /l hergergestellt.
Der BSB dieser Lösungen sollte bei korrekten Verdünnungswasser
einen Wert zwischen 180 und 230 mg O2/l haben.
4. Schritt : Sauerstoffgehalt messen
| Der
Sauerstoffgehalt wird sofort mit einem amperometr.
O2-Meßgerät ermittelt (Bild 2). Dabei ist auf eine
korrekte Anströmung der O2-Elektrode zu achten,
andernfalls wird keine ruhige Messwert-anzeige verhalten. Dieser Messwert stellt den Anfangssauerstoffgehalt dar und wird notiert. |
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Die Probe wird nun mit dem
Glasstopfen verschlossen und 5 Tage langen in völliger
Dunkelheit bei 20 °C aufbewahrt. Das Dunkelhalten dient der
Vermeidung von Algenbewuchs da diese den O2-Gehalt verändern.
Nach 5 Tagen wird der O2-Gehalt nochmals bestimmt und notiert.
Die Differenz beider Messungen ist der Verbrauch an Sauerstoff in
5 Tagen.
5. Schritt :
Berechnung des BSB
![]() Bild 3 |
Von dem
Sauerstoffverbrauch muß nun noch der ermittelte
Blindwert abgezogen werden. Dabei ist der
unterschiedliche Verdünnungsgrad der Proben zu berück-
sichtigen! Nach Multiplikation mit dem Verdünnungsfaktor der Probe erhält man den BSB5 . Bei Auswertung von 3 oder mehr Verdünnungen wird man meistens fest- stellen , daß man unter- schiedliche Werte erhält. Man kann dann den arithmetischen Mittelwert bilden, aber daß kann unter Umständen verkehrt sein. Ist z.B. der am geringsten verdünnte Wert deutlich niedriger als die höher verdünnten Proben kann ein Hemmung der Sauerstoffzehrung durch z.B. giftigeWasser- inhaltsstoffe vorliegen ( Bild 3). Solch ein Wert ist daher von der Berechnung auszuschließen. |
Für die Berechnung des BSB5 ist zudem eine statistische Berechnung der einfachen Mittelwertbildung vorzuziehen. Diese Auswertmethode ist allerdings von Hand nur sehr zeitraubend anzuwenden. Ein Computerprogramm daß diese Berechnungen schnell und sicher vornimmt, findet man hier !
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© 1997 , Horst Bertling